Samstag, 22. August 2009

Griechenland

Boa, wie langweilig. Auf supergut ausgebauten, leeren Autobahnen düsten wir nach Thessaloniki. Keine Probleme an der Grenze, durchgewunken, als kämen wir täglich dreimal vorbeigefahren. Unser ursprünglicher Plan über Izmir und Fähre nach Athen zu fahren scheiterten an der ungewissen Lage, ob überhaupt noch direkte Fähren existieren. Nur über kompliziertes Inselhopping wären wir nach Athen gekommen, das lag für Rose zeitlich nicht im Rahmen. Am Montag morgen fliegt sie von Athen und wir müssen 100%ig sicher sein. Sonst schimpft Boss. Ich hab keinen Boss und kann deshalb das Auto wieder zurückfahren.

Jenes zickt noch immer herum und will, dass ich eine Werkstatt besuche. Mein Bauch sagt mir, dass irgendwo ein Kabel lose ist - eine Sicherung explodiert beim versuch sie zu ersetzen, trotz 30 Ampere. Ein Kurzer im Dicken. Können wir später finden.

Hier in Griechenland ist LPG recht unpopulär. Bis jetzt gab es nicht eine einzige Tanke mit dem billigen Stoff, mussten daher ersatzweise Saft einspritzen. Hier in Th. gibts wohl aber was. Muss nur noch rausfinden, wo.

Erfindung des Tages: Drive-In-Gay-Wedding-Center!

Istanbul - baklavas, mosques and recycling

For anyone with a sweet tooth, Istanbul is heaven on earth. Almost every second shop sells Baklavas, turkish delights and all manner of national delicacies, usually comprising pastry, honey, gelatin or a mixture of all three.

Of all the cities we've visited so far, this one stands out the most and has given what I expect will become the most lasting impressions. Hot, frenetic, lively, tactile - it's a city full of people living, laughing, struggling and surviving.

Driving in the city is a game of dodge the next car that pulls out in front of you suddenly with no warning and usually driving at break neck speed. But we had it relatively easy. Also on the roads, which typically had four lanes of traffic, were adolescent boys and men carting enormous sacks, three or four times the siye of themselves filled with cardboard or plastic bottles. Throughout the city, boys rummage through bins pulling out recyclable materials, pile them into dirty canvas sacks and either haul them on their backs or on makeshift trollies through the streets to a depot we never saw.

Mosques line the streets almost as much as the Baklava and Doener stores. After dusk, their pointed minarettes light up blasting out religious verses across the nightsky. By day, the chanting can be heard no matter where you are at prayer times. Shops close and we watched as several dozen men fell to the floor in the middle of the street in sacred worship. There is something quite poignent about this coming from the secular metropolis of London.

And now less than 24 hours later, we have arrived in Thessanoliki and checked into a humid hotel room, with a new carpet and at least a dozen baklavas in my stomach.

As the Turks say: "Güle güle"

Donnerstag, 20. August 2009

Türkei

Es machte "Bieeeeeep, biep, biep, bieeeeeep". Kein ABS mehr. Und Öl auch nix mehr da. Ich solle doch bitte die nächste Audi-Werkstatt aufsuchen. Kurz hinter Burgas, einer Schwarzmeerstadt im Südosten Bulgariens nahm das Unheil seinen unklaren Lauf. Wir fuhren zurück in die Stadt und hielten beim nächstbesten Autoschrauber. Er und seine Frau fanden das mit dem Öl, die ABS-Macke konnte ich ihm mit meinem Dreiminus-Russisch nicht verkaufen. Seine Frau witterte fette Beute und raste zur nächsten Tankstelle um mir Öl zu holen. 40 Euro kostete Öl-Auffüllen, ernste Miene machen und an Kabeln rumwackeln. Das war natürlich mein Sonderpreis, den ich in Anbetracht der Eile, Hitze und seiner zwielichtigen Zahnfrisur nicht runterbetteln konnte.

Nach einer Weile verschwand das Getröte, Rose studierte das Handbuch und wir einigten uns darauf, das Risiko in Kauf zu nehmen. Wer braucht schon ABS, wenn einem der LKW in die Seite kracht. So ging die Fahrt mit frischen Öl und gelegentlichem Piepsen dem eigentlichen Höllenhöhepunkt des Tages entgegen: Leaving the Union. Die europäische Union versteht sich. Die Bulgarischen Beamten waren ja wie erwähnt bereits beim Einreisen sehr gnädig und auch beim Ausreisen recht stirnfaltig, zu den Türken lies man uns aber dennoch recht schnell.

Und da fing das selbe Spiel wieder von vorne an: "Machina Dukomenta!" - "Äh, nix hier, zu Hause in London". Kopfschütteln, rummosern, wenigstens war das Visum für Deutsche umsonst, Briten müssen einen 10er abdrücken, den hatten wir auch noch. Greencard war auch nicht gültig, der Versicherungsfachfrau hatte ich wohl vergessen, Istanbul mit einzuflüstern. Also Versicherung gekauft und nach sage und schreibe 2 Stunden an der Kontrolle hatten wir dann alle Fetzen beisammen, um in die Türkei zu können. Passiert dort wahrscheinlich nicht so häufig, dass ein deutsch-britisches Pärchen so verzweifelt ins Land gelassen werden wollten.

Uns half auch ein kleiner alter Mann, der dort eigentlich nur rumsaß. Als er uns sah wurde er plötzlich ganz aktiv und zeigte uns genau was wir zu tun hatten. Er redete sogar (auf türkisch) auf sämtliche Beamte dort eine, beschwörte sie fast. Ich bin mir sicher, dass wir ohne ihn niemals in die Türkei gekommen wären. An der Stelle einen Riesendank an den unbekannten netten alten Mann von der Grenze. Er hat meinen Segen.

Nach Istanbul gings dann über nagelneue Autobahnen fast wie im Flug. Ein Taxi im Zentrum wieß uns den Weg zum Hotel, in dem ich jetzt hier sitze und blogge.

Und ja: Youtube funktioniert hier nicht. Und in der Dönerbude rechts um die Ecke arbeiten 12 Männer, ich schwör!

Bulgarien

Und dann sprach das Navi: „Bitte links abbiegen und dann mit Fähre überqueren“. Wie bitte? Nix Brücke zwischen Rumänien und Bulgarien? Nix Brücke. Aber dafür nette neue Fähre. Beim Überqueren lernten wir Toni kennen, einen UK-Bulgaren, mit deutschem Auto und amerikanischer Abstammung, auf seinem Weg zu Mama. Er hatte den Trip von Prag bis hierher (zur Fähre südöstlich von Bukarest) in einem Rutsch abgerattert – Mamas Essen schmeckt wohl zu gut um zwischenzustoppen.

Wir waren guter Dinge, luden uns gegenseitig zum bulgarischen Willkommenstee auf der anderen Seite ein und fuhren nichtsahnend zum Grenzübergang kurz hinter der Fährabfahrt. Trotz EU und Schengenabkommen kontrollieren die Beamten immer noch zumindest, ob der Pass gültig ist und das Photo dem Gesicht des Besitzers entspricht. Und dann wollte der Kontrolletti den „Perso“ des Autos haben. Britische Autos haben jedoch keinen Fahrzeugschein, nur einen Fahrzeugbrief („V5-Document“), den gewöhnlich kein Brite mit sich rumschleppt und erst recht nicht im Auto liegen lässt. Für die Fahrt durch Osteuropa hatte mir die Versicherung eine Greencard zukommen lassen, dich ihm dann frohlockend unter die Nase hielt. Allerdings interessierte die ihn nicht sonderlich, er wollte Fahrzeug-Ausweis. Ich erklärte ihm die Situation und er schüttelte den Kopf und verschwand mit seinen grinsenden Kollegen in die Stube. Derweil stauten sich sämtliche Autos, die von der Fähre kamen, hinter uns. Shitfuckinghell, dachte ich, die lassen uns nicht durch. Plötzlich kam die Meute wieder raus zusammen mit einem Typen, der ne ganze Latte an Armeesymbolen auf der Brust trug uns recht unbarmherzig taxierte. Ich setze mein dümmlichstes Hilflosgrinsen ohne aber mit irgendeiner Art von Gnade zu rechnen. Und die gabs dann auch erwartungsgemäß nicht. Mit einem fast astreinem deutsch erklärte mir der Mann, dass ich ins Land darf, das Auto aber nicht. Ich fragte ihn, ob wir nach Istanbul laufen sollten und er sagte: „Klar, das wär das einfachste!“

In solchen Momenten dehnen sich Zeit, Raum und Realität. Der Verstand versucht zu kontrollieren, der Bauch interveniert zu jedem Gedanken, Lachen und Heulen sind fast das selbe. Und dann sehe ich das Blitzen in seinen Augen, etwa wie „Komm schon Junge, gib nicht auf, zeig mir was du drauf hast, aber treibs nicht zu arg.“ Ich ahnte, dass ich heute noch am schwarzen Meer sitzen würde. Rose sprach derweil die magischen Worte, beinahe geflüstert: „Was können wir tun, um diese Situation flexibel zu lösen?“ Er wußte, dass seine Kollegen das nicht verstanden und wackelte mit seinem Kopf. Und dann: im Handschuhfach entdeckte ich zwischen den Handbüchern und abgelaufenen Garantieurkunden noch ein (ebenso abgelaufenes) MOT-Zertifikat. Das ist der britische TÜV, den man jährlich machen muss. Gott sei Dank enthielt dieser die Fahrzeugnummer, die unter der Vorderscheibe abgedruckt war. Er nuschelte irgendwas bulgarisches seinen immer noch grinsenden Kollegen zu und sagte plötzlich „Gute Fahrt!“.

Wow, der Thrill nach dem Schock. Plötzlich war die Welt wunderschön, Bulgarien ist komplett anders drauf, der Unterschied ist schon sehr krass zu Rumänien. Wenn auch nicht wesentlich weiter im wirtschaftlichen Sinne, so spürt man hier eine Art würdevolle Gelassenheit byzantinischer Natur. Die Straßen sind viel besser und kaum befahren, zum ersten Mal fühlen wir den real Roadtrip. Die Felder sind goldgelb, die Häuser klein, die Pferde stumm und die Leute noch nicht mal neugierig. Europa ist schön.

Wir erreichten vor Sonnenuntergang einen Zeltplatz am schwarzen Meer, nahe der Stadt Kavama, etwa eine Stunde nördlich von Varna. Tony gab uns den Tip, statt Varna lieber nördlich am Küstenstreifen nach Camping Ausschau zu halten und der Tip zahlte sich mehr als aus. Der Zeltplatz bietet alles und doch ist er völlig abgelegen in einer idyllischen Bucht zwischen weißem Kalkfelsen.

Dort blieben wir dann glatt einen Tag länger als geplant. Kavarna selbst ist die Rockhauptstadt Bulgariens, eine Art Geheimfestival zieht sämtliche Südosteuropäer hierher um Rod Steward, Billy Idol und U2 zu sehen. Leider war an diesen Tagen außer Bruthitze nicht viel los. Wir entdeckten einen schnieken, leicht ibizamäßigen Hedonistestrand ca. 3 km südlich Kavarnas und verbrachten den Tag auf weißen Liegen mit Cuba Libres, sehr relaxt.

Der Tag darauf sollte alles andere als relaxt werden...

Montag, 17. August 2009

Rumänien

Ich hab in meinem ganzen Leben bisher nur einmal einen toten Hund gesehen, da war ich etwa 7 Jahre alt und ich und meine Kumpels staunten über all die Fliegen und Würmer, die sich über den komisch riechenden Fellberg breitmachten. Seit gestern ist diese Zahl auf etwa 1000 gestiegen. Hier in Rumänien werden den Kötern die Klöten nicht abgeklemmt. Der Evolutionsdruck scheint zu wirken: den überlebenden Kläffen sieht man beinahe so etwas wie eine menschliche Schlauheit an. Und ja, das war der Opener zu "Rumänien, ein EU-Land".

Abgesehen von diesem Übel war der Kulturschock nicht weiter tragisch. Die Straßen werden mit Hochdruck erneuert, die Autos wurden es ja bereits - dem deutsche Versicherungszahler dank fahren hier ne Menge netter Schlitten rum, wir fallen nur wegen dem falschen Lenkrad auf. Das "alte Rumänien" scheint aber überall noch ziemlich durch, einige Schlaglöcher konnte ich nur mit größtem Geschick umfahren. An den Straßenrändern zeugen zahllose Kreuze von den wildwest-Manieren auf den Pfaden zum Osten - Überholen ohne Aufzuholen im schwärzesten Sinne. Hinter den Kreuzen gibt es viele Ruinen und auch recht prächtige Neubauten zu bestaunen. Einmal fuhren wir von der Straße ab, um ein paar Fotos zu machen. Eine Minute später waren wir umzingelt von bettelnden Frauen und Kindern. Und das mitten auf dem Land.

Zwischenstopp am "Eisernen Tor", gegenüber liegt Serbien. In einem Hotel übernachteten wir, hatte ein paar krasse Alpträume, boxe und schreie im Schlaf - wohl Teil der Aklimatisierung. Dann fuhren wir weiter. Je näher wir Bukarest kamen, desto besser wurden dann auch die Straßen. Die letzten 100km dann sogar nagelneue Autobahn.

Ankunft in Bukarest. Das Land will zur EU, hier merkt man es. Technisch ist es ja schon in der EU aber der Unterschied zu Ungarn ist immer noch gewaltig. Andererseits sieht es in Süditalien und in Großteilen Polens auch kaum besser aus. Wobei ich mir nicht so richtig klar bin, was "besser" bedeuten soll. Ich kenn ja nur den "Aufbau Ost" und ein großer Fan war ich nie vom westlichen Wirtschaftskraken, wobei mir aber auch keine Alternative einfallen will. Wir sind halt Evolutionsviehchzeug.

Nach zwei Stunden wilden Rumirrens im Zentrum der Stadt fanden wir dann endlich auch ein einigermaßen respektables Hotel, das unseren Preisvorstellungen entsprach. Die Internetverbindung hier ist fast irreal schnell. Morgen wollen wir die Stadt erkunden, ähm, ich weiß nicht, was ich weiter schreiben soll dazu.. ha!

Mich nervt die Paranoia, die sich einem fast von selbst aufzwingt. Irgendwie ist es hier recht normal, eigentlich ein bisschen wie Italien, all das "romanische" ist ja im Gegensatz zum ugrischen Ungarland fast Muttersprache. Sind es die Raben, die hier andauern blöken, oder bin ich doch einfach nur etwas fertig nach 2800 km? Reisen soll ja bilden, gelernt hab ich ne Menge bisher. Und noch nicht mal die Hälfte geschafft.



Budapest

Eine Nacht am Balaton, und was für eine! Ich fuhr mit Tamas und Kristian zu einer netten Proletendisko nahe des Sees und amüsierten uns aufs heftigste. Leider hatte ich die Kamera nicht dabei, sonst wären jetzt einige Lacher garantiert. Soviel kann ich sagen: Ungarn ist 100% "angekommen".

In Budapest fuhren wir direkt zum Sziget-Festival, dem größten Musikspektakel in Ungarn. Das Gelände ist mitten in der Stadt - auf einer Flussinsel. 50tausend vorwiegend junge Leute tanzen sich dort den Verstand aus dem Kopf. Bands wie Manic Street Preachers und Notwist gabs zu sehen, sogar die Toten Hosen spielten auf dem einwöchigen Festival. Wir fanden den meisten Spaß im "Mirror Tent", einer Art fabulösen Performance-Bühne mit transvestitem Moderator. Die "Washington DC Cowboys" und diverse Seil-, Feuer- und Ballonkünstler unterhielten das brüllende Publikum vortrefflichst.

Dann verbrachten wir unsere erste Nacht im Auto, was überraschend angenehm war. Am morgen danach eierten wir dann etwas benommen Richtung rumänischer Grenze.