Samstag, 29. August 2009

Treppen, Berge und ein Vulkan

Minori liegt etwa 1 Stunde südlich von Napoli und dieses wiederum bekannterweise am Fuße des Vesuvs, einem ruhenden Vulkan, der 79 anno Domino seinen letzten großen Ausbruch hatte und eine ganze Stadt, Pompeij, unter sich begrub. Am ersten Tag war ich noch zu fertig, um mir diese Packung zu geben, also stiefelte ich die Treppen nach Ravello hoch und machte eine lokale Tour entlang der Felsen bei Minori und Almafi. Da bekommt man Beine wie Arnold. Landschaft, Häuser, Straßen und Leute fügen sich zu einem derart harmonischen Bild zusammen, dass ich gar nicht fassen kann, in London zu leben. Im Vergleich zu hier käme London mit dem Wort "hässlich" noch sehr geschmeichelt davon.

Tags darauf fuhr ich dann zum Vesuv, oder besser: auf den Vesuv. Man kommt per Auto bis fast zur Spitze hoch, nur die letzten 100 Meter müssen gelaufen werden. Das schafft man in etwa 20 Minuten recht problemlos. Die westliche Kante des Kraters kann umlaufen werden und man kann in den Schlund hineinsehen. Der Krater selbst ist gigantisch, an einigen Stellen dampft es heraus. Wenn man oben steht und auf Neapel plus anliegende Städte blickt, stellt sich einem sofort die Frage, wie in aller Welt im Falle eines Ausbruchs die ganze Meute wegkommen soll. Null Chance – beim Ausbruch ist Pompeij 2.0 garantiert.

Pompeij hat mich fast noch mehr beeindruckt. Die schiere Größe der Ausgrabungsstätte (ca. 50 ha) und die teilweise noch recht gut erhaltenen Bauten beamen einen buchstäblich 2000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Die Hauser sind kunstvoll dekoriert, reiche Leute hatten Minifliesen an Boden und Wänden, verziert und bemalt in kräftigen Tönen – Pompeij war definitiv eine sehr bunte Stadt. Auf den Straßen, die mit geschliffenen Steinen sehr gerade und gut ausgebaut waren, erkennt man noch die Fahrrillen der Fuhrwerke. Auf einigen Steinen weisen eingravierte Penisse auf anliegende Bordelle. Pavillons, ein großer Zentraler Platz und ein Amphitheater gibt es ebenso wie Gefängnisse, Küchen, Parfümerien und Überreste damaliger Güter wie Töpfe, Wagen und Möbel. Einige versteinerte Tiere und Menschen sind auch erhalten und lassen einen etwas gruseln. Schliesslich könnte der Berg ja jeden Moment wieder explodieren.

Donnerstag, 27. August 2009

Aaahh, Bella Italia!

Auf der Faehre von Patra nach Bari lernte ich Daniel, den rumaenischen Truckdriver kennen. Er war schon gut im Tee und konnte kein Wort Englisch. Trotzdem schafften wir es, mit Haenden und Fuessen ueber Weltpolitik, Europas Zukunft und seine verkorkste Schullaufbahn zu reden. Dann sagte er mir, dass in seiner Kabine noch ein Bett frei sei, sicher war er sich nicht. "Stronzo, Italians, stupido". Ok, das wuerde mich ueber die Nacht bringen. Spaeter gesellten sich noch 2 franzoesische Studenten samt Riesenflasche Ouzo zu uns. Wir waren definitiv die Partyzentrale auf dem Schiff.

In der Kabine von Daniel waren bereits 2 andere Truckdriver. "Oh oh, wenn jetzt noch einer kommt bin ich das fuenfte Rad am Wagen". Natuerlich kam auch noch einer und der Bulgare (Trucker 4) rannte sofort zum Stewart, den ich dann zur Rezeption begleiten musste. Dort bruellte der Bulgare auf die arme Servicetante ein, ich fuehlte mich ein bissl mies, aber eigentlich war es doch sein rumaenischer Kollege (Trucker 3, Daniel), der das alles verzapft hatte. Ich wurde nicht den Haien zum Frass vorgeworfen, der Stewart schickte mich einfach mit finsterer Miene zurueck aufs Deck. Dort fror ich mir die Seele aus dem Leib, weil die Klimaanlage zu gut funktionierte. Auf dem Aussendeck war es zwar warm, aber auch zu laut zum Schlafen.

Ankunft in Bari, nette kleine Hafenstadt, postkartenschoene Haeuser, ach was, Italien ist und bleibt einfach das huebscheste Land Europas wenn man die Betonbettenburgen an der Adria ausser Acht laesst. Noch geraedert von der schlaflosen Faehrnacht fuhr ich dann Richtung Neapel. Die Autostrada wollte 30 Euro Gebuehr fuer die mickrigen 250 km also gings ueber die Landstrasse, die gottseidankerweise auch in Ordnung war und leer.

Direkt nach Neapel sollte es dann aber nicht gehen, Salerno und dann immer an den Bergen lang Richtung Westspitze. Die Bergpassstrasse steht wohl unter UNESCO-Schutz und darf deshalb nicht verbreitert werden. An den Haengen waechst Wein und allerhand Zitroniges. Die Haeuser sehen tatsaechlich noch aus wie vor 100 Jahren, unfassbar pittoresk.

Die enge Strasse wurde dann zu einem regelrechten Stressfaktor. Zwar kam ich mit entgegenkommenden Autos noch klar, aber als dann ein riesiger Bus auftauchte, wurde mir schlecht. Der schoss ungebremst an mir vorbei, links und rechts weniger als 1 cm Platz lassend. Zeit fuer den schoenen Ausblick konnte ich keine mehr finden. Ich klappte die Spiegel ein, das half etwas. Das naechste Auto wird ein Fiat 500, Ehrensache.

In Minori, einer klitzekleinen Zitronenstadt 20km westlich von Salerno entdeckte ich ein Schild, das nach Camping klang. Es fuehrte eine kleine Strasse hinauf in die Berge, gerade so passte der Wagen durch die Mauern und geparkten Autos, die bereits voellig zerbeult waren und kaum noch Seitespiegel besassen. Zu Fuss irrte ich dann in die Zitronengaerten hinein und da war er: ein mikroskopisch kleiner Campinglatz mitten in der Plantage. "Il Campanile", betrieben von Salvatore und Ornella. Die Aussicht irreal schoen. Salvatore, half mir beim Sachenhochschleppen und baute sogar das Zelt auf. Dann tranken wir literweise Zitronensaft und genossen den Sonnenuntergang.

Spaeter ging es in die Stadt, dort pennte ich ne Weile am Strand und genehmigte mir danach Spaghetti Napolitana. Leider bliebe die nach Ankunft im Zelt nicht in mir. Waehrend nebenan eine italienische Mutti ihre quengelnde Tochter in den Schlaf sang, versuchte ich so leise wie moeglich das Abendmahl vor das Zelt zu giessen. Ein Auf und Ab wie schon lange nicht mehr, buchstaeblich!

Dienstag, 25. August 2009

Patras

Eine Hafenstadt im Westen. Eine Riesenbrücke verbindet die Halbinsel mit dem Festland. Vom Hafen fahren die allermeisten Fähren mehrfach am Tag nach Italien. Ich werd am Abend Richtung Bari auslaufen. Die Stadt war früher ein militärischer Stützpunkt, bis zum 2. Weltkrieg diente eine Festung, die 800 a.d. erbaut wurde, als Bastion gegen Eroberer und Rückeroberer. Am Strand promenaden sich die Leute die Seele aus dem Leib. Viel kommunizieren tun sie dabei aber nicht, Griechen sind irgendwie still meistens.

Am Fährhafen tümmeln sich viele Einwanderer herum, die versuchen, nach Italien zu kommen. Ebenso viele Polizisten versuchen das zu verhindern. Das ist die neue Festung, ohne Mauern und Schießscharten.

Athen

Geschichte! Viertausend Jahre alt! Mit Säulen und Skulpturen. Wie aus dem Bilderbuch. Meine Vorstellung von Griechenland ging über alte, weiße Häuser, vor denen fleischwiederkauende alte Bauern sitzen, die stumm das Alphabet vor sich hinnuschelnd jeden Fremden mit Argwohn hinterherstieren kaum hinaus. Griechenland ist von allen Ländern das "europäischste", wenn man die Anzahl der EU-finanzierten Stätten und Poster berücksichtigt.

Im Ernst: Die Akropolis ist umwerfend. Im Lidl gibts kein Zatziki und viele Frauen tragen Bart. Insgesamt sehr freundlich, landschaftlich fast so gut wie Bulgarien und eigentlich hab ich ja kaum was gesehen von Griechenland.