In der Kabine von Daniel waren bereits 2 andere Truckdriver. "Oh oh, wenn jetzt noch einer kommt bin ich das fuenfte Rad am Wagen". Natuerlich kam auch noch einer und der Bulgare (Trucker 4) rannte sofort zum Stewart, den ich dann zur Rezeption begleiten musste. Dort bruellte der Bulgare auf die arme Servicetante ein, ich fuehlte mich ein bissl mies, aber eigentlich war es doch sein rumaenischer Kollege (Trucker 3, Daniel), der das alles verzapft hatte. Ich wurde nicht den Haien zum Frass vorgeworfen, der Stewart schickte mich einfach mit finsterer Miene zurueck aufs Deck. Dort fror ich mir die Seele aus dem Leib, weil die Klimaanlage zu gut funktionierte. Auf dem Aussendeck war es zwar warm, aber auch zu laut zum Schlafen.
Ankunft in Bari, nette kleine Hafenstadt, postkartenschoene Haeuser, ach was, Italien ist und bleibt einfach das huebscheste Land Europas wenn man die Betonbettenburgen an der Adria ausser Acht laesst. Noch geraedert von der schlaflosen Faehrnacht fuhr ich dann Richtung Neapel. Die Autostrada wollte 30 Euro Gebuehr fuer die mickrigen 250 km also gings ueber die Landstrasse, die gottseidankerweise auch in Ordnung war und leer.
Direkt nach Neapel sollte es dann aber nicht gehen, Salerno und dann immer an den Bergen lang Richtung Westspitze. Die Bergpassstrasse steht wohl unter UNESCO-Schutz und darf deshalb nicht verbreitert werden. An den Haengen waechst Wein und allerhand Zitroniges. Die Haeuser sehen tatsaechlich noch aus wie vor 100 Jahren, unfassbar pittoresk.
Die enge Strasse wurde dann zu einem regelrechten Stressfaktor. Zwar kam ich mit entgegenkommenden Autos noch klar, aber als dann ein riesiger Bus auftauchte, wurde mir schlecht. Der schoss ungebremst an mir vorbei, links und rechts weniger als 1 cm Platz lassend. Zeit fuer den schoenen Ausblick konnte ich keine mehr finden. Ich klappte die Spiegel ein, das half etwas. Das naechste Auto wird ein Fiat 500, Ehrensache.
In Minori, einer klitzekleinen Zitronenstadt 20km westlich von Salerno entdeckte ich ein Schild, das nach Camping klang. Es fuehrte eine kleine Strasse hinauf in die Berge, gerade so passte der Wagen durch die Mauern und geparkten Autos, die bereits voellig zerbeult waren und kaum noch Seitespiegel besassen. Zu Fuss irrte ich dann in die Zitronengaerten hinein und da war er: ein mikroskopisch kleiner Campinglatz mitten in der Plantage. "Il Campanile", betrieben von Salvatore und Ornella. Die Aussicht irreal schoen. Salvatore, half mir beim Sachenhochschleppen und baute sogar das Zelt auf. Dann tranken wir literweise Zitronensaft und genossen den Sonnenuntergang.
Spaeter ging es in die Stadt, dort pennte ich ne Weile am Strand und genehmigte mir danach Spaghetti Napolitana. Leider bliebe die nach Ankunft im Zelt nicht in mir. Waehrend nebenan eine italienische Mutti ihre quengelnde Tochter in den Schlaf sang, versuchte ich so leise wie moeglich das Abendmahl vor das Zelt zu giessen. Ein Auf und Ab wie schon lange nicht mehr, buchstaeblich!
Herrlich! Sehr gelacht, Danke!
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